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Schwere Beine leichter machen

Schwere Beine, die nach längerem Stehen anschwellen oder schmerzen, Wadenkrämpfe, Spannungsgefühle oder Kribbeln im Unterschenkel: Dahinter steckt häufig eine Venenschwäche. In frühen Stadien lassen sich die Beschwerden gut mit Bewegung, Kompressionsstrümpfen und pflanzlichen Wirkstoffen aus der Apotheke lindern. Erst bei größeren Problemen ist die Venenchirurg*in gefragt.

Wenn das Blut nicht fließen kann

Die chronisch venöse Insuffizienz – auch Venenschwäche oder Venenleiden genannt – ist eine Erkrankung der tiefen Beinvenen. Das sind die Venen, die eingebettet in der Muskulatur liegen und das Blut zum Herzen transportieren. Bei einer Venenschwäche ist dieser Abfluss gestört, Ursache dafür sind meist Schädigungen der sogenannten Venenklappen.

Venenklappen muss man sich als kleine Ventile im Inneren der Venen vorstellen. Sie sorgen dafür, dass das Blut auf seinem Weg von „unten“ nach „oben“ nicht zurückfließt. Sind sie beschädigt oder abgenutzt, funktioniert dieser Rückfluss-Schutz nicht mehr – das Blut kann in Richtung Fuß absacken, anstatt Richtung Herz abzufließen. Mehr Blut in den unteren Venen heißt, dass sich der Druck dort erhöht. Der ständige Druck auf die Wand des Blutgefäßes führt dazu, dass die Gefäßwände durchlässiger werden und Blutbestandteile und Flüssigkeiten in das umliegende Gewebe austreten. Vor allem bei langem Stehen oder nach einem anstrengenden Tag wird der Unterschenkel dann dick, spannt und schmerzt.

Fließt das Blut nicht richtig ab, zeigt sich das auch an den Venen an der Körperoberfläche. Sie zeichnen sich verdickt und geschlängelt unter der Haut ab. Im frühen Stadium zeigen sich zunächst „nur“ Besenreiser und Krampfadern. Weil sich auf Dauer aber auch winzige Blutgerinnsel bilden, ist die Durchblutung erschwert. Die Haut wird dann nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Im weiteren Verlauf entstehen durch die Minderversorgung dann typische Hautveränderungen bis hin zu Ekzemen und Geschwüren.

Warum Venen schlapp machen

Die Ursachen für die chronisch venöse Insuffizienz sind vielfältig. Schon die normalen altersbedingten Veränderungen führen dazu, dass die Venen und ihre Wände schwächer werden. Manche Menschen haben auch eine genetisch veranlagte Bindegewebsschwäche, weshalb ihre Venenklappen und Venen früher „schlapp“ machen. Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft begünstigt die Entwicklung einer Veneninsuffizienz ebenso wie Übergewicht, Rauchen oder eine unausgewogene Ernährung.

Besonders schädlich für die Venen ist eine vorwiegend sitzende Lebensweise. Auch langes Stehen im Beruf und Bewegungsmangel setzen den Venen zu. Der Grund ist, dass dann die sogenannte „Muskelpumpe“ nicht arbeitet. Die tiefen Beinvenen sind nämlich von der Beinmuskulatur umgeben. Bei Bewegung ziehen sich die Muskeln wie eine Pumpe in kurzen Abständen zusammen und entspannen sich. Auch die Venen werden dabei zusammengedrückt und das Blut Richtung Herz gepresst.

Hinweis: Hinter Spannungsgefühlen, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen stecken nicht immer eine Venenschwäche. Deshalb sollte man bei diesen Beschwerden unbedingt eine Ärzt*in aufsuchen, damit diese z. B. eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, eine Nerven-, Nieren- oder Herzerkrankung ausschließt.

Venengesunde Lebensweise

Die Behandlung der Venenschwäche richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden. Sind Füße und Unterschenkel nur gelegentlich abends leicht angeschwollen, hilft manchmal schon eine venengesunde Lebensweise. Das beinhaltet:

  • Flache Schuhe tragen, weil hohe Absätze die Arbeit der Muskelpumpe behindern.
  • Mehr Bewegung in den Alltag einbauen, z. B. Treppen laufen anstatt die Rolltreppe oder den Aufzug zu benutzen, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Während langer Auto- oder Bahnfahrten spätestens alle zwei Stunden eine Bewegungspause einlegen.
  • Öfter mal die Beine hochlagern, um den Rückfluss des Blutes zu erleichtern. Beim Sitzen sollte der Winkel zwischen Körper und Oberschenkel mehr als 90° betragen. Zwischendurch immer mal wieder Zehen und Füße bewegen.
  • Regelmäßig kalte Beingüsse, Kaltwaschungen oder Wassertreten durchführen, um die Durchblutung zu fördern.
  • Einschnürende Kleidung vermeiden.
  • Nicht mit übereinander geschlagenen Beinen sitzen.
  • Sport treiben! Ausdauersportarten wie Schwimmen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren und Tanzen sind dabei besser geeignet als Kraftsport.
  • Warme Wannen- und Sonnenbäder meiden, weil diese Wärme die Gefäße zusätzlich erweitet.
  • Gesund ernähren. Alkohol erweitert die Gefäße, Nikotin fördert Thrombosen. Beides ist schlecht für die Venen.

Tipp: Besonders hilfreich ist es, spezielle Venengymnastik zu machen. Zehen rhythmisch anheben, auf die Fußspitzen stellen und der Storchengang sind gute Übungen. Es gibt auch anschauliche Angebote im Internet. Sie finden sich unter dem Stichwort „Venengymnastik“ online und auch auf YouTube.

Kranken Venen von außen Druck machen

Oft reichen diese Basismaßnahmen nicht aus, um die Beschwerden zu lindern. Dann ist es Zeit für die Kompressionstherapie. Dabei wird den Venen von außen mit speziellen Strümpfen Druck gemacht. Weil die Strümpfe die Venen zusammenpressen, können die Gefäßwände durch den Staudruck von innen nicht aussacken und das Blut fließt leichter ab.

Es gibt die Strümpfe in verschiedenen Ausführungen vom Wadenstrumpf bis zur Strumpfhose und in vier verschiedenen Kompressionsklassen. Strumpfart und -länge werden von der Ärzt*in bestimmt und verschrieben. Die Kompressionsklasse richtet sich nach dem klinischen Befund, z. B. wie ausgeprägt die Ödeme (Schwellungen) und die Hautveränderungen sind.

Kompressionsstrümpfe sind ausgesprochen wirkungsvoll – allerdings nur, wenn sie konsequent getragen werden. Das heißt: von morgens nach dem Aufstehen bis zum Zubettgehen sowie zu jeder Jahreszeit, also auch, wenn es draußen warm ist. Doch nicht einmal jeder Zweite, der eine Kompressionstherapie benötigt, trägt seine „Gummistrümpfe“. Oft liegt das daran, dass schon das Anziehen problematisch ist. Hier helfen folgende Tipps:

  • Das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes muss man sich genau zeigen lassen. Gute Anleitungsvideos gibt es auch im Internet, Stichwort „Kompressionsstrümpfe“.
  • Manche Frauen erleichtern sich das Anziehen, indem sie unter dem Strumpf einen Nylonstrumpf tragen.
  • Spezielle Textil- oder Gummihandschuhe verbessern den Griff und damit sowohl das Anziehen als auch das Verteilen des speziellen Strumpfgewebes.
  • Dehngestelle und -systeme sind ebenfalls eine Hilfe beim Anziehen. Diverse Hersteller bieten diese an. Auch platzsparende Gleithilfen wie Rollmanschetten oder Gleitsocken sind zum Anziehen von Gummistrümpfen entwickelt worden.
  • Wenn das Anziehen gar nicht funktioniert, kann die Ärzt*in auch zwei Strümpfe niedrigerer Kompressionsklasse verschreiben, die dann übereinander angezogen werden.

Vor allem im Sommer ist vielen Betroffenen das Tragen von Kompressionsstrümpfen unangenehm. Auch hier lässt sich abhelfen:

  • Strümpfe mit offener Fußspitze sind bei warmen Temperaturen angenehmer.
  • Die im Kompressionsstrumpf verpackten Beine lassen sich gut mit speziellen Kühlsprays aus der Apotheke oder einfach mit kaltem Wasser abkühlen.
  • Es gibt auch Kühlgels, die vor dem Anziehen der Strümpfe auf das Bein aufgetragen werden.

Hinweis: Vorsicht mit normalen fett- und ölhaltigen Pflegeprodukten an Füßen und Beinen. Sie führen nach dem Auftragen oft zum Rutschen der Kompressionsstrümpfe. Zur Pflege der strapazierten Haut sind spezielle Cremes, Lotionen und Schäume in der Apotheke erhältlich.

Gefäße von innen abdichten?

Als begleitende Therapie empfehlen Venenexpert*innen auch Medikamente. Die Präparate enthalten meist Flavonoide, Aescin, Rutoside oder Ruscogenine, die z. B. aus rotem Weinlaub, Rosskastaniensamen, Beeren des Mäusedorns oder Blättern des gelben Schnurbaums stammen. Diese Pflanzeninhaltsstoffe sollen Leckagen („kleine Löcher“) der Venen von innen abdichten. Sie verhindern zwar nicht, dass die chronisch venöse Insuffizienz sich weiter verschlechtert. Sie können aber die Beschwerden wie Spannungsgefühl, Ödeme und Schwere in den Beinen bessern.Man braucht dafür allerdings etwas Geduld: Bis die pflanzlichen Mittel ihre Wirkung entfalten, dauert es etwa drei bis fünf Wochen.

Bei der Therapie mit pflanzlichen Medikamenten ist die Beratung durch die Ärzt*in oder Apotheker*in wichtig. Es sollten nur Präparate eingenommen werden, die behördlich zugelassen und deren Inhaltsstoffe in klinischen Studien geprüft worden sind.

Hinweis: Oft werden zur Behandlung schwacher Venen auch Salben mit Extrakten aus Rosskastanie & Co. empfohlen. Als kühlende Gele mögen sie eine gewisse Linderung entfalten. Für eine abdichtende Wirkung auf die Venenwände liegen jedoch keine Daten aus klinischen, zeitgemäßen Studien vor.

Hier muss die Chirurg*in ran

In ausgeprägten Fällen muss eine chronische Veneninsuffizienz chirurgisch behandelt werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Allen Eingriffen liegt die Idee zu Grunde, die beschädigten Venen aus dem Blutkreislauf zu entfernen.

Bei der Verödung spritzt die Ärzt*in ein flüssiges Verödungsmittel oder Schaum in die erweiterte Vene. Dadurch wird eine Entzündung hervorgerufen, und die Venenwände verkleben und verschließen sich. Die Vene wird nicht mehr durchblutet. Auch Hitze verschließt durch Entzündung und Verklebung erweiterte Venen. Sie kommt bei der Laser- und der Radiofrequenztherapie zum Einsatz. Ein weiteres Verfahren ist das Venenstripping. Dabei entfernt die Ärzt*in erweiterte Venen ganz oder teilweise – je nach Befund.

Es gibt auch venenerhaltende Operationsverfahren. Man kann zum Beispiel eine Kunststoffmanschette so um eine erweiterte Vene legen, dass ihre Klappe wieder schließt. Solche Operationen werden allerdings in Deutschland eher selten durchgeführt.

Ebenfalls chirurgisch eingreifen muss man, wenn die durch die chronische Insuffizienz entstandenen Hautgeschwüre nicht mehr abheilen. Hier gibt es verschiedene Techniken, die geschädigten Hautpartien zu entfernen und mit einem Stück Haut aus dem Oberschenkel des Patienten wieder abzudecken.

Quellen: Bruhn C, DAZ 2017, 22: S 32, Schlenger R, DAZ 2019, 12: S 46

Autor: Dr. med. Sonja Kempinski